Die Rache eines Gammas | Kostenlose Vorschau
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Kapitel 1 — Die unbekannte künftige Gamma
Zalia
Ich heiße Zalia, bin sechsundzwanzig, eine Lykanerin und die künftige Gamma des Moon-Stone-Rudels. Unser Rudel ist das größte nach dem Mystic-Moon-Rudel, dem Rudel unseres Königs.
Außerdem gehören wir zu den wenigen Rudeln im Königreich, in denen Werwölfe und Lykaner Seite an Seite leben – meine Familie ist eine der Lykaner-Familien hier im Rudel.
Die derzeitige Führungsriege hat jeweils einen Sohn und eine Tochter. Anders als viele vermuten, wird die nächste Führungsspitze jedoch aus zwei Männern und einer Frau bestehen. Da ich die erstgeborene Tochter unseres Gammas bin, werde ich meinen Vater ablösen, sobald er vortritt. Darauf trainiere ich ununterbrochen, seit ich fünfzehn bin.
Als angehende Gamma bin ich schlau genug, jede nur denkbare Vorsichtsmaßnahme zu ergreifen, um Angriffe abzuwehren. Unser Alpha hat es im Training oft genug mitangesehen: Ich habe den zukünftigen Alpha und den zukünftigen Beta mehr als einmal eiskalt auf den Hosenboden gesetzt. Jedes Mal musste er sich ein Grinsen verkneifen, wenn sein Sohn sich so blamierte.
Zum Glück sind bei uns alle Kinder gleichberechtigt aufgewachsen. Keiner war beleidigt, wenn ich ihn auf die Matte geschickt habe. Niemand hat mich je anders behandelt, nur weil ich eine Frau bin. Sie hören auf mich, wenn ich auf Fehler hinweise, und die meisten unserer Krieger sind genau daran gewachsen.
Ich bin mit meiner Position und meinem Rudel rundum glücklich. Einzig diese lästigen Rudelbesuche gehen mir gewaltig auf den Zeiger: Ich muss zwar mit, aber in den fremden Rudeln rafft keiner, dass ich die künftige Gamma bin.
Als wir beim Sundown-Rudel ankommen, schauen der Alpha und die Luna von oben herab auf mich und führen sich auf, als wäre ich bloß eine Bedienstete.
Das geht jetzt seit Jahren so, und jedes Mal fällt es mir schwerer, mir auf die Zunge zu beißen. Aber Alpha Brad hat mir eine unmissverständliche Ansage gemacht: Ich darf niemandem etwas antun – nur weil ich um Meilen besser ausgebildet bin als die meisten verwöhnten Bälger, die mir unterwegs begegnen.
„Du da! Hol mir einen Kaffee!“, krakeelt Layla, die Tochter von Alpha Mike, und zeigt auf mich.
„Heb deinen faulen Hintern und mach ihn dir selbst“, knurre ich sie an. Donovan, unser zukünftiger Alpha, und Gibson, unser zukünftiger Beta, brechen augenblicklich in schallendes Gelächter aus. Ich bezweifle stark, dass je jemand in diesem Ton mit ihr gesprochen hat – ihr völlig entgleister Blick ist unbezahlbar.
Ihr schrilles „Paaapaaa!“ bringt mich zusammen mit Twilight, meiner Lykanerin, endgültig zum Lachen. Die Alte ist verdammt noch mal erwachsen und sollte wohl in der Lage sein, für sich selbst zu sorgen.
Donovan verstummt schlagartig, als Alpha Mike den Raum betritt. Ich hingegen habe nicht den Hauch einer Chance, mein Lachen zu unterdrücken – und mache mir ehrlich gesagt nicht einmal die Mühe, es zu versuchen.
Alpha Brad versucht zunächst, besonnen auf Alpha Mike einzureden, aber der verlangt eine formelle Entschuldigung für die Tränen seiner Tochter. Wir starren ihn einfach nur völlig fassungslos an. Donovan entschuldigt sich tatsächlich bei ihr, doch ich weigere mich stur – und Alpha Brad ist klug genug, mich gar nicht erst dazu zu drängen.
Alpha Mike hat absolut keinen blassen Schimmer von meinem Temperament. Er rückt mir bedrohlich auf die Pelle und brüllt mich an, ich solle mich auf der Stelle bei seiner Tochter entschuldigen.
„Warum zur Hölle sollte ich mich bei ihr entschuldigen?! Sie führt sich auf wie ein verzogenes Kleinkind – vielleicht hättet ihr bei ihrer Erziehung nicht so kläglich versagen sollen!“, brülle ich ohne zu zögern zurück. Twilight reißt vor Wut fast die Kontrolle an sich, als er die Hand gegen mich erhebt. Der Typ hat verdammtes Glück, dass Alpha Brad blitzschnell dazwischengeht.
Ich hätte Alpha Mike ohne mit der Wimper zu zucken den Arsch aufgerissen, wenn er versucht hätte, mich zu schlagen. Und Alpha Brad weiß ganz genau, dass ich ihn eiskalt auf die Matte geschickt hätte.
Genau deshalb verabscheue ich diese verdammten Rudelbesuche aus tiefster Seele. Manche von denen tun so, als würde ihnen die ganze Welt gehören und als wären sie allen anderen haushoch überlegen. Ganz zu schweigen davon, wie herablassend sie mit jedem umspringen, der kein Alphablut in den Adern hat. Würde es diese Arschlöcher etwa umbringen, andere mit einem Fätzchen Respekt zu behandeln?
Als wäre dieser Vorfall nicht schon nervtötend genug gewesen, hielten mich einige der Typen dort auch noch für Alpha Brads Geliebte – oder gingen wie selbstverständlich davon aus, dass ich mit Donovan oder Gibson ins Bett steige. Keiner von diesen Hohlköpfen kam auch nur im Traum darauf, dass ich als Donovans künftige Gamma mit von der Partie war.
Es hat mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht, dass Donovan sie nicht korrigiert hat. Aber ich habe es letztlich auf deren klebrige Tochter geschoben, die ihn regelrecht auffraß und ununterbrochen versuchte, ihn abzuschleppen.
Ich bin ewig dankbar dafür, dass Alpha Brad uns von klein auf den nötigen Respekt vor dem Gefährtenband eingeimpft hat: Man vögelt nicht wahllos durch die Gegend – und erst recht nicht mit jemandem aus dem eigenen Rudel.
Ich hatte noch nie etwas mit einem Mann, obwohl weiß Gott genug Angebote da waren. Ich habe sie alle eiskalt abblitzen lassen, und ein paar Beratungsresistente haben sich dabei eine gehörige Tracht Prügel eingefangen.
Wenn Donovan oder Gibson mal genervt von Tussen sind, die kein Nein akzeptieren wollen, gehen sie einfach eine Runde rennen oder lassen ihren Frust beim Training des Gastrudels raus.
Ich hingegen kann das nicht bringen, weil keine Sau weiß, dass ich die künftige Gamma des Moon-Stone-Rudels bin. Dementsprechend ist es mir strengstens untersagt, bei den fremden Rudeln mitzutrainieren. Mir fehlt auf diesen scheußlichen Trips schlichtweg jedes Ventil, um Dampf abzulassen.
Ich beneide die beiden jedes Mal aufs Neue. Ich kann nicht einmal ungestört laufen gehen, ohne dass mich irgendeine schicke Luna oder ein arroganter Alpha von oben herab dumm anmacht. Donovan und Gibson stellt hingegen keine Sau Fragen, wenn sie sich zum Training oder für einen Lauf verdrücken.
Deshalb halte ich mich bei solchen Besuchen inzwischen am liebsten komplett im Hintergrund – zu viel Kontakt mit diesen Tussen und Idioten endet für mich sonst bloß in einer handfesten Katastrophe.
Abgesehen von meinem Zusammenstoß mit Alpha Mike habe ich die Klappe gehalten – und der Kerl hätte um ein Haar die Quittung für all den Mist bekommen, den ich mir während dieses Besuchs anhören musste.
Noch so eine Sache, die ich an diesen Trips abgrundtief hasse: Jedes Mal meint irgendwer, mir erzählen zu müssen, ich solle weniger essen. Ich brauche das Zeug verdammt nochmal für meine Ausdauer – und davon eine ganze Menge für die kilometerlangen Patrouillen, die ich täglich abreiße. Ich bin eine Lykanerin. Ich werde davon nicht einfach fett, und selbst wenn mal ein Gramm mehr dranbleibt, ist mir das sowas von scheißegal.
Jede verfluchte Luna predigt mir, ich müsse unbedingt auf meine Linie achten. Mein zukünftiger Gefährte würde schließlich keine Frau schätzen, die Spachteln kann wie ein Scheunendrescher – und schon gar keine mit einer Konfektionsgröße mehr.
Verdammt noch mal, eine Größe mehr! Ich trage Größe 36 und bin verdammt stolz auf meine Kurven – ich muss echt nicht aussehen wie ein Strich in der Landschaft.
Die meisten Lunas hier sind so klapperdürr, dass ich jedes Mal Angst habe, ein kräftiger Windstoß pustet sie einfach weg. Und trotzdem heulen sie ununterbrochen herum, sie seien viel zu dick.
Bei diesem Besuch hat gefühlt jede Tussie irgendeinen dummen Spruch über meinen Appetit gedrückt. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie Donovan und Gibson sich amüsierten. Wahrscheinlich haben die beiden sich wieder über die Gedankenverbindung lustig gemacht.
Ich bin einfach nur heilfroh, dass dieser Besuch überstanden ist. Leider steht als Nächstes schon das nächste Großereignis an: die Hauptversammlung aller Alphas des Königreichs – mitsamt dem Alphakönig höchstpersönlich.
Seit über zehn Jahren werde ich nun schon zu diesem Event verdonnert. Ich habe keine Wahl, denn unser König verlangt strikt, dass die künftige Führungsspitze eines jeden Rudels anwesend sein muss, sobald der angehende Alpha sechzehn wird.
„Beruhig dich mal, Zalia. Du hast jetzt immerhin zwei Monate deine Ruhe“, frotzelt Donovan von der Seite.
„Musstest du mich ausgerechnet jetzt daran erinnern?“, knurre ich ihn an. „Als würde ich mich wahnsinnig darauf freuen, vier Tage lang mit diesen Vögeln abzuhängen – ohne Ausweichmöglichkeit und ohne die Chance, mir den Frust bei einer Grenzpatrouille aus dem Leib zu rennen.“
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Kapitel 2 — Das AllAlphaTreffen
Zalia
Endlich ist es so weit – Achtung, Sarkasmus. Das jährliche All-Alpha-Treffen steht an. Ich habe die meiste Zeit vorher exzessiv trainiert oder bin Grenzpatrouille gelaufen – alles nur, um das, was mir in den nächsten vier Tagen bevorsteht, irgendwie aus dem Kopf zu kriegen.
Man trichtert uns von klein auf ein, wir müssten zu diesem Treffen fahren, um zu lernen, wie man Diplomatie mit anderen Rudeln pflegt. Meiner Meinung nach nutzen die meisten Alphas dieses Event aber schlichtweg dafür, um für ihren künftigen Führungsnachwuchs eine passende Gefährtin oder einen hochrangigen Gefährten abzugreifen.
Jeder Teenie von Alpha, Beta und Gamma, der fünfzehn oder älter ist, trottet brav mit – einzig und allein, damit man vom Rest der Welt wahrgenommen wird und im besten Fall irgendein Wolf oder eine Wölfin Anbeißen möchte.
Für unser Rudel bedeutet das konkret: Unser Alpha ist am Start, seine zwei Kinder Donovan und seine kleine Schwester Elinor sind dabei, ebenso die beiden Sprösslinge unseres Betas, Gibson und seine kleine Schwester Kali – und zu guter Letzt ich zusammen mit meinem kleinen Bruder Slater.
Wie nicht anders zu erwarten, schlagen wir als allererstes Rudel auf. Ein Krieger geleitet uns direkt zu unserem Stammtisch im größten Sitzungssaal des Areals.
Direkt hinter uns strömen auch schon die anderen Alphas herein, jeder von ihnen die eigene Nachwuchsriege im Schlepptau. Die Typen sind durchweg ordentlich gekleidet, aber die Frauen … keine Ahnung, wie ich das überhaupt unfallfrei beschreiben soll. Manche tragen Röcke und Tops, die gefühlt zwei Nummern zu klein sind – das Zeug bedeckt mit Müh und Not ihren Arsch und die Brüste.
Ich frage mich wirklich ernsthaft, wie ihre Eltern so etwas zulassen können. Mein Vater würde mir den Hintern hochkant die Treppe wieder raufprügeln, bis ich mir was Anständiges überwerfe.
„Was ist so witzig, Gamma?“, erkundigt sich Donovan grinsend über die Gedankenverbindung. Als ich ihm meine Gedanken offenbare, verschluckt sich Dad vor Schreck beinahe an seinem Schluck Wasser.
„Du kannst deinen Arsch drauf verwetten, dass ich dich die Treppe raufjagen würde! Ich kapiere diese Eltern auch beim besten Willen nicht. Warum um alles in der Welt lassen sie zu, dass ihre Töchter sich derart billig präsentieren?“, knurrt Dad wütend über die Gedankenverbindung. Wir können uns alle ein Lachen kaum verkneifen, als in diesem Moment die nächste Tussie hereinspaziert – in einem Fummel, der praktisch mehr Haut als Stoff zur Schau stellt.
Ich rümpfe angewidert die Nase. So unglaublich viele Typen und Tussen hier riechen penetrant nach Sex. Ich muss mich mühsam beherrschen, nicht lautstark zu würgen, als sich ausgerechnet der künftige Gamma eines anderen Rudels an den Tisch direkt hinter uns setzt.
„Fuck, hätte der Kerl sich nicht vorher duschen können?!“, beschwert sich Kali entgeistert über die Gedankenverbindung, während uns eine regelrechte Welle von abgestandenem Sexgeruch entgegenschwappt. Ich frage sie trocken, wie er das bitteschön hätte anstellen sollen, wo die Nummer doch offensichtlich erst vor gefühlt zwei Minuten gelaufen ist.
„Stell dir einfach mal vor, du müsstest bei fast jedem zweiten hier riechen, dass er nach Sex stinkt. Und die wenigsten davon haben sicher mit ihrem Schicksalsgefährten geschlafen“, werfe ich ein. Schlagartig fahren alle Köpfe unserer Truppe zu mir herum.
Unser Alpha brummt mitfühlend und meint, er habe echtes Mitleid mit uns – wir Lykaner litten unter solchen Gerüchen schließlich noch viel stärker als normale Werwölfe.
„Ja, klar. Wie oft hast du Dad eigentlich schon gefragt, ob da draußen wieder jemand nach fremder Haut riecht?“, stichele ich grinsend.
Dad lacht schallend auf, und ich weiß augenblicklich, dass ich voll ins Schwarze getroffen habe. Kali und Elinor kichern leise vor sich hin, während unserem Alpha tatsächlich eine leichte Röte ins Gesicht steigt.
Als endlich alle ihren Platz eingenommen haben, stellen mein Bruder, mein Vater und ich reflexartig auf Mundatmung um. Sogar die Werwölfe in unserer Runde ziehen angewidert die Luft ein.
Heute beschränkt sich das Programm zum Glück auf die Begrüßungsrede des Königs. Danach mischt sich die Menge untereinander, bevor morgen die eigentlichen Rudelsitzungen beginnen – eine Sache, die ich aus tiefstem Herzen hasse. Die meisten dieser veralteten Alphas vertreten steinzeitliche Ansichten über Frauen und völlig verdrehte Vorstellungen von Schicksalsgefährten. Ich verabscheue es, wie sie mich entweder gaffend anstarren oder demonstrativ übersehen.
Wir erheben uns alle wie auf Kommando von unseren Plätzen, als die Königsfamilie schließlich den Saal betritt. Ich beobachte genau, wie wirklich jeder von ihnen augenblicklich die Nase rümpft. „Sieht ganz so aus, als bekämen sie den Gestank genauso ab“, raunt Elinor über die Gedankenverbindung, und ich nicke nur zustimmend.
Die spärlich bekleidete Tussie von vorhin war mir schon aufgefallen, wie sie aufreizend in Richtung des Tischs nahe der Bühne gewackelt war. Der Arme, wegen dem sie den ganzen Zirkus veranstaltete, tat mir jetzt schon leid. Sie lässt sich schließlich neben Mavka nieder, der Mutter des künftigen königlichen Gammas, und die beiden fangen sofort an zu tuscheln, während der Blick der Tussie ununterbrochen gierig zur Bühne zurückwandert.
Wen auch immer sie ins Visier genommen hat – er reagiert nicht einmal ansatzweise, und ihre Miene wird mit jeder verstreichenden Minute noch saurer. Ich hoffe wirklich für jeden Kerl in diesem Raum, dass keiner von ihnen ihr Schicksalsgefährte ist.
Ich höre Twilight, meine Lykanerin, spöttisch in meinem Kopf kichern. „Und was ist mit Frauen?“, fragt sie frech. Ich bin in diesem Moment unendlich dankbar für Dads hartes Training – sonst würde ich hier vermutlich gleich lachend den Mittelgang hinunterkugeln.
Die Königsfamilie lässt allen erst einmal fünf Minuten Zeit für den üblichen Klatsch und Tratsch. Ich habe noch nie kapiert, wozu das eigentlich gut sein soll, und ich werde es wahrscheinlich auch nie verstehen. Warum um alles in der Welt sollte man stundenlang durchkauen, welcher Kerl der eigene Gefährte sein könnte?
Andererseits ist von den königlichen Söhnen nur noch der künftige Gamma ungebunden – und ganz ehrlich, der Typ tut mir jetzt schon leid. „Deshalb sitzt die Tussie bei Mavka“, kombiniert Twilight augenblicklich. „Sie hat es eiskalt auf ihren Sohn abgesehen.“
***
*Deimos*
Vier verfluchte Tage lang Alphas und Lunas ertragen, die mir ununterbrochen ihre Töchter ins Bett schieben wollen. Vier verfluchte Tage lang meine eigene Mutter Mavka erdulden, die diesen verfehlten Verkupplungsversuchen auch noch tatkräftig Schützenhilfe leistet. Ich würde mich am liebsten auf der Stelle in Luft auflösen. Goliath, mein Lykaner, grollt tief in meinem Kopf bei der Aussicht auf die nächsten vier Tage – und ich weiß ganz genau, dass er unsere Mutter früher oder später gewaltig anfahren wird.
Egal, wie oft einer von uns ihr eine Ansage macht, sie schleppt unermüdlich weiter neue Frauen an. Ich bin heilfroh, dass der König ihr strengstens untersagt hat, bei offiziellen Abendessen noch unangemeldete Gäste mitzubringen. Aber jetzt versucht sie stattdessen, mich mit allen Mitteln zu Familienessen nach Hause zu zitieren. Ich erteile ihr jedes Mal eine Abfuhr – zum Glück kann ich mich jederzeit auf meine Pflichten als künftiger königlicher Gamma herausreden.
Meine Eltern waren bloß gewählte Gefährten, und ich weiß, dass Dad es bis heute zutiefst bereut, nicht auf seine echte Schicksalsgefährtin gewartet zu haben. Mutter fing fast augenblicklich an, ihn nach Strich und Faden zu betrügen. Als sie schließlich mit mir schwanger war, weigerte Dad sich standhaft zu glauben, dass das Kind von ihm stammte – bis der Rudelarzt eindeutig bewies, dass ich sein Sohn war. Gleich danach ging er zum König und erwirkte die offizielle Erlaubnis, sie wegen Untreue zu verstoßen.
Dad hat mich ganz allein großgezogen, aber Mutter blieb immer in der Nähe – in der ständigen Hoffnung, ich würde ihr irgendwann als Eintrittskarte zurück in den Palast dienen.
An meinem achten Geburtstag beschloss ich endgültig, dass ich sie nicht mehr auf meiner Feier dabeihaben wollte. Sie versuchte natürlich sofort, mich auf die Mitleidstour weichzuklopfen und jammerte, sie sei schließlich meine Mutter und liebe mich über alles.
„Mutter, du liebst mich nicht. Du liebst einzig und allein die Aussicht darauf, dass ich der nächste königliche Gamma werde, und willst diesen Status eiskalt für dich ausnutzen. Du tauchst doch nur dann hier auf, wenn du genau weißt, dass hochrangige Wölfe und Lykaner anwesend sind – in der Hoffnung, dir wieder irgendeinen gewählten Gefährten zu angeln, dem du das Geld aus der Tasche ziehen und den du hinterher betrügen kannst.“
Sogar Goliath hegt tiefen Hass auf sie und ihre Wölfin, weil sie ihre eigenen egoistischen Gelüste jederzeit über das Wohl ihres eigenen Kindes gestellt haben. Ja, selbst die Wölfin meiner Mutter hat uns eiskalt vernachlässigt – was extrem selten vorkommt, denn der tief sitzende Instinkt eines Wolfs oder Lykaners stellt den eigenen Nachwuchs ausnahmslos an allererste Stelle.
Ammon, unser künftiger König, reißt mich schlagartig aus meinen düsteren Gedanken, während wir gemeinsam zum Sitzungssaal marschieren. Wir heben synchron die Köpfe und schnuppern vorsichtig an der Luft. „Scheiße, das wird heute ein verdammt harter Tag“, knurrt er, als uns der durchdringende Sexgeruch bereits auf dem Flur entgegenweht. Und ich weiß ganz genau: Drinnen wird es uns erst recht mit voller Wucht erwischen.
„Warum zur Hölle müssen die sich ausgerechnet kurz vor solchen Sitzungen noch einmal gründlich vergnügen?!“, beschwert sich Asha, Ammons Schicksalsgefährtin, voller Abscheu über die Gedankenverbindung. Ammon fängt sogleich an, ihr geduldig sämtliche absurd-möglichen Gründe aufzuzählen, nur um sie irgendwie von dem penetranten Gestank abzulenken. Im Gegensatz zu uns fällt es ihr ungleich schwerer, ihren Ekel vor diesen zügellosen Wölfen und Lykanern zu verbergen – und als künftige Königin darf sie sich in der Öffentlichkeit schlichtweg keine Blöße geben.
Ich halte meinen Blick streng geradeaus auf unsere Plätze gerichtet. Doch wie in jedem einzelnen Jahr überrascht mich der Anblick der Frauen des Moon-Stone-Rudels aufs Neue. Sie sind weit und breit die einzigen Frauen im Saal, die sich tatsächlich wie echte Anführerinnen kleiden. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ich bemerke, dass alle drei exakt dasselbe tun wie ich: den Blick stur auf die eigenen Plätze heften. „Siehst du, Asha? Es gibt immerhin noch ein paar Frauen hier, die genau wissen, was sich gehört“, murmele ich mit einem leisen Grinsen.
Mir platzt allerdings fast der Kragen, als ich ausgerechnet Mavka, meine sogenannte Mutter, an einem der Tische nahe der Bühne entdecke – und direkt neben ihr eine Tussie in einem … nun ja, ich habe keine Ahnung, was das überhaupt darstellen soll. Wenn so etwas einen Kerl antörnen soll, bin ich wohl offiziell kaputt im Kopf. Als ich diesen trockenen Kommentar über unsere Gedankenverbindung abfeuere, gerät Asha vor Lachen derart ins Straucheln, dass Ammon sie im letzten Moment am Arm auffangen muss.
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Kapitel 3 — Essen
Deimos
Wir setzen uns. Der König hebt die Hand als Zeichen für Ruhe, und es dauert ein paar Minuten, bis wirklich Stille im Saal einkehrt – abgesehen natürlich von ein paar Tussen, die offenbar glauben, ihr dämliches Gequatsche sei wichtiger als das Wort des Königs. Der König verzieht keine Miene und wartet geduldig, bis schließlich auch die letzten Alphas kapieren, dass er nur wegen des Geplappers der Frauen an ihrer Seite noch nicht angefangen hat.
Goliath stellt amüsiert fest, dass am Tisch des Moon-Stone-Rudels alle breit grinsen. Ich muss mir selbst mühsam ein Lachen verkneifen, als ich sie der Reihe nach mustere. „Die Frauen dort können wenigstens viel besser verbergen, was sie begaffen, als die Typen“, meine ich zu Goliath, und wir kichern beide in meinem Kopf, als eine der Frauen dem künftigen Alpha augenblicklich ihren Ellenbogen in die Rippen rammt.
Die Brünette am Tisch lächelt verschmitzt, während ihr Blick kurz an uns vorbeigleitet. Ich frage mich ernsthaft, was zum Teufel da drüben so verdammt komisch sein soll. „Jemand versucht krampfhaft, deine Aufmerksamkeit zu erregen, Sohn“, brummt mein Vater amüsiert über die Gedankenverbindung – und mir dämmert sofort, worauf er hinauswill. Das war vermutlich auch der Grund für das breite Grinsen der Brünetten.
Die anschließende Rede des Königs ist ein echtes Gemeinschaftswerk von uns allen: Wir haben tagelang versucht, so viele blumige Worte wie irgend möglich unterzubringen, ohne dabei im Grunde auch nur irgendetwas von Substanzen zu sagen. Es hat uns allen einen Heidenspaß gemacht, diese Worthülse zusammenzuschustern.
Unsere Königin hat den Anfang verfasst, in dem sie die Alphas und Lunas herzlich zur Teilnahme begrüßt. Asha hat danach den Part über die Jugendlichen übernommen, die ihre Eltern begleiten.
Wir haben uns alle königlich den Arsch abgelacht, als Asha nach subtilen Formulierungen suchte, um der Meute durch die Blume mitzuteilen, sie sollten endlich mit dem zügellosen Rumvögeln aufhören. Am Ende hat sie es doch tatsächlich geschafft, diese knallharte Botschaft in verdammt romantische Worte zu verpacken.
„Alphas und Lunas, ihr habt den Nachwuchs eurer aktuellen Führung mitgebracht – und sie sind unsere Zukunft“, verkündet der König sonor.
„Eine Zukunft, die uns als Königsfamilie bereits geschenkt wurde: Wir haben in eurer künftigen Königin eine Tochter gefunden, die vom Schicksal bestimmte Gefährtin unseres Sohnes. Es ist das, wonach wir uns alle aus tiefster Seele sehnen, worauf wir alle geduldig warten – denn wenn wir unsere wahren Schicksalsgefährten finden, werden wir gemeinsam stärker und besser.
Prinz Ammon und Prinzessin Asha haben beide rein und treu darauf gewartet, dass ihr Schicksalsgefährte in ihr Leben tritt. Beide möchten euch allen heute ans Herz legen, wie unendlich dankbar sie dafür sind, gewartet zu haben – um ihre Lebensreise Seite an Seite zu beginnen und alle ersten Male als Erwachsene ausschließlich miteinander zu teilen.“
Ich weiß genau, wie sehr er mit diesem letzten Satz gerungen hatte. Jedes Mal, wenn ich mich darüber kaputtgelacht hatte, flog mir irgendetwas durch den Raum direkt an den Kopf. Er war beim Proben praktisch jedes Mal fast an den eigenen Worten erstickt. Über die Gedankenverbindung höre ich Ammon leise prusten, während der König seinen Blick von ihm zu Asha wandern lässt – und wir alle registrieren den tiefen, liebevollen Blick, den er ihr dabei zuwirft.
Eryx, unser künftiger königlicher Beta, und ich hatten uns eigentlich vorgenommen, die anstehenden Sitzungen sinnvoll in die Rede einzubauen. Aber genau wie Asha taten wir uns extrem schwer damit, kilometerlange Absätze zu verfassen, die unterm Strich absolut gar nichts aussagten. Am Ende brauchten wir gewaltig Hilfe von den anderen, um überhaupt irgendetwas Brauchbares aufs Papier zu bringen. Der König meinte nur trocken, es sei eben eine Kunst für sich, endlos zu quasseln, ohne am Ende etwas gesagt zu haben.
Immerhin war das eine gute Übung für uns, denn in Zukunft müssen wir diesen ganzen Kram komplett alleine auf die Beine stellen – eine Aussicht, auf die ich mich ja so gar nicht freue.
„In den kommenden Tagen hoffen wir alle auf gewinnbringende und gehaltvolle Gespräche zu den unterschiedlichsten Themen – von Training über Sicherheit bis hin zu Bällen und diplomatischen Runden. Wir hoffen inständig, dass dieses Treffen für jede und jeden von euch in irgendeiner Weise von Nutzen sein wird und wir am Ende gemeinsam auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken können“, verkündet er feierlich.
Viele der anwesenden Wölfe und Lykaner nickend erfreut, doch Asha merkt schmunzelnd an, dass die Leute vom Moon-Stone-Rudel genau so aussehen, als hätten sie die Worthülse des Königs augenblicklich durchschaut.
„Das Mittagessen wird nun im großen Speisesaal serviert. Bitte bleibt so lange an euren Tischen sitzen, bis euch ein Krieger zu eurem zugewiesenen Platz begleitet. Es ist genau derselbe Tisch, an dem ihr in den nächsten Tagen alle Mahlzeiten einnehmen werdet“, schließt der König die Runde, ehe wir uns erheben und ihm aus dem Saal folgen.
Wir nehmen uns ein paar Kleinigkeiten vom Buffet und setzen uns an den königlichen Haupttisch. Die Königin gibt ihrer Assistentin mit einem knappen Nicken das stumme Signal, die restlichen Rudel schrittweise in den Speisesaal zu lassen. Als allererstes wird das Moon-Stone-Rudel zu seinem Tisch geführt – direkt neben dem unseren.
Ihr Alpha und der Gamma lassen sich nieder, während die jüngere Generation erst einmal Richtung Buffet marschiert. Die Brünette von vorhin jongliert dabei mit einer Leichtigkeit drei voll beladene Teller auf einmal. Ich spüre genau, wie der halbe Saal sie gebannt dabei beobachtet, wie sie die Teller auffüllt, zielsicher zu ihrem Tisch zurückkehrt und jeweils einen davon vor dem Alpha und dem Gamma abstellt. Beide bedanken sich mit einem warmen Lächeln bei ihr.
Von den anderen Tischen ernten sie dafür neidische und wütende Blicke von etlichen Frauen. Allerdings gilt seit jeher die ungeschriebene Regel, dass das Moon-Stone-Rudel direkt neben der Königsfamilie platziert wird – und ich weiß aus Erfahrung, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen niemals Ärger machen. Sie halten sich genauso am liebsten aus jedem Drama heraus wie wir.
Jede Tussie, die danach in ihren Stöckelschuhen ans Buffet klackert, starrt so lange wie nur irgend möglich zu unserem Tisch herüber. Aber keiner von uns würdigt sie auch nur eines Blickes – und ich kann förmlich spüren, wie ihre Frustration von Sekunde zu Sekunde wächst. Auf ihren halsbrecherischen High Heels wirken die meisten ohnehin alles andere als standsicher, und mit einem randvollen Teller auf den Händen geraten sie erst recht ins Schlingern.
Ich halte meinen Blick stur auf mein Essen gerichtet, während Eryx neben mir leise gluckst, als eine Blondine beinahe den Boden unter den Füßen verliert.
„Wer zur Hölle hat die denn bitte ohne Aufpasser auf die Menschheit losgelassen?!“, faucht Asha genervt über die Gedankenverbindung. Sila, Eryx’ Gefährtin, erkundigt sich verwundert, warum sie sich darüber eigentlich so extrem aufregt.
„Was glaubst du wohl, was hier gleich los ist, wenn der der Teller aus den Pfoten fliegt und das ganze Zeug auf dem Kleid einer anderen Alpha-Tochter landet?!“, erwidert Asha trocken.
Zalia
Das Essen ist der absolute Hammer, und ich kann es kaum erwarten, bis alle ihren ersten Gang vernichtet haben. Ich muss unbedingt noch einmal an dieses Buffet. Twilight ist ganz meiner Meinung, als ausgerechnet in diesem Moment eine Blondine wackelnd auf ihren High Heels an unserem Tisch vorbeischwankt.
„Warum zur Hölle zieht man solche Dinger an, wenn man nicht einmal unfallfrei darauf laufen kann?“, frage ich amüsiert über die Gedankenverbindung. Wie aus einem Munde antworten die Kerle in unserer Runde im Chor: „Weil sie glauben, dass es sexy ist.“
Ich starre einen nach dem anderen ungläubig an. „Die finden es ernsthaft sexy, wie schwere Alkoholiker durch die Gegend zu torkeln?!“
Kali und Elinor brechen zusammen mit mir in schallendes Gelächter aus. Slater kichert vor sich hin, Dad schüttelt nur resigniert den Kopf, und Donovan starrt mich einfach nur sprachlos an. Wie nicht anders zu erwarten war, nimmt Gibson meine Frage natürlich vollkommen ernst und fängt langatmig an zu erklären, dass sie doch die High Heels an sich meinten.
„Schon klar, Blitzmerker. Aber ist euch Vögeln eigentlich aufgefallen, dass die Königin ebenfalls High Heels trägt – und trotzdem nicht herumläuft, als hätte sie zwei Promille im Blut?“, stichele ich und fixiere ihn so lange, bis ihm endlich dämmert, dass ich ihn nur verarscht habe.
„Zalia, wie lief eigentlich die Patrouille letzte Nacht?“, schaltet sich unser Alpha ein, um geschickt das Thema zu wechseln.
„Als ich um elf ankam, war erst einmal alles ruhig. Etwa eine Stunde später hatten wir allerdings zwei Streuner an unserer Ostgrenze. Als die beiden mich sahen, dachten sie wohl, ich wäre leichte Beute. Aber Twilight hat ihnen ziemlich schnell eingeprügelt, dass wir vor niemandem zurückweichen – nach gefühlt einer Minute lagen beide tot im Dreck.
Den Rest der Schicht gab es keinerlei Vorkommnisse mehr. Bevor wir eingerückt sind, habe ich mich noch kurz bei der Morgenpatrouille erkundigt, aber zwischen sechs und acht war tote Hose“, berichte ich und frage Kali direkt über die Gedankenverbindung, ob der Weg zum Buffet endlich frei ist.
Sie bestätigt mir, dass jetzt alle versorgt sind. Doch noch bevor ich mich erheben kann, knurrt mein Vater plötzlich bedrohlich: „Zalia, willst du mir damit etwa sagen, dass du die ganze verdammte Nacht auf Patrouille warst – und vorher kein Auge zugemacht hast?!“
Ich stehe unbeeindruckt auf, um mir Nachschlag zu holen, und erwidere trocken: „Genau wie immer, Dad. Warum sollte dieses Treffen auch irgendetwas an meiner Routine ändern?
Ich habe schließlich nicht darum gebeten, hierher geschleift zu werden. Ich habe niemanden darum gebeten, diese bescheuerte Regel zu erfinden, dass der Führungsnachwuchs hier wie im Zirkus zur Schau gestellt werden muss. Und ich habe ganz sicher niemanden darum gebeten, die künftige Führungsriege dazu zu zwingen, bei jeder stinklangweiligen Sitzung anzutanzen.
Und jetzt – ob es dir nun passt oder nicht – brauche ich dringend Nachschlag, bevor Twilight beschließt, dass sie sich ihr Fressen selbst jagt. Und das garantiert nicht vom Teller.“
Ich marschiere los, im vollsten Bewusstsein darüber, dass wirklich jeder einzelne Werwolf im Saal Dads Frage und meine glasklare Antwort mitbekommen hat – genau darauf hatte Dad es schließlich abgesehen.
Ich halte meinen Blick stur auf das Buffet gerichtet, spüre aber die durchdringenden Blicke etlicher Männer im Rücken. Mir ist klar, dass ich in der Kennenlernrunde nach dem Essen eine Welle von dummen Fragen kassieren werde. Juhu, ich kann es kaum erwarten. Nicht. Aber immerhin wissen jetzt alle im Raum klipp und klar, dass ich die Tochter des Gammas bin – was die meisten billigen Anmachsprüche hoffentlich im Keim ersticken wird.
„Gehst du oft auf Grenzpatrouille?“, vernehme ich plötzlich die sonore Stimme des Königs. Schlagartig hüllt absolute Stille den gesamten Speisesaal ein. Ich drehe mich zu ihm um und blicke ihm direkt in die Augen. „Ja, Majestät. Ich laufe exakt dieselben Schichten an der Grenze wie mein gesamtes Team. Nur weil ich die Tochter unseres Gammas bin, habe ich noch lange nicht das Recht, mich wie ein verwöhntes Gör aufzuführen.
Ich kann verdammt gut auf mich selbst aufpassen. Ich stehe im Training, seit ich sieben Jahre alt bin. Und mit den Grenzpatrouillen habe ich genau zu dem Zeitpunkt angefangen, als man mich das erste Mal dazu verflucht hat, zu diesen Treffen mitzukommen. Ich habe unserem Alpha damals klipp und klar gesagt: Wenn ich alt genug bin, um zu diesem Zirkus geschleppt zu werden, bin ich verdammt noch mal auch alt genug für den echten Dienst an der Grenze.
Und ganz unter uns, Majestät: Wenn Sie mich fragen, ist die Grenzpatrouille um ein Vielfaches sicherer, als hierherzukommen.“ Ich deutete eine knappe, respektvolle Verbeugung an und marschiere mit meinem vollen Teller zurück zu unserem Tisch. Hinter mir bricht der König in ein donnerndes Lachen aus, und am gesamten Haupttisch wird unverhohlen gekichert und geprustet.
Deimos
Wie zum Teufel kann diese Frau nach einer komplett durchwachten Nacht bitte so verdammt gut aussehen?! Nach einer einzigen Nachtschicht fühle ich mich jedes Mal wie durch den Fleischwolf gedreht und brauche gefühlt den halben Tag, um überhaupt wieder klarzukommen. Goliath kugelt sich in meinem Kopf vor Lachen, als sie ihrem Vater so eiskalt Kontra gibt, und auch Ammon prustet über die Gedankenverbindung los.
„Papa, können wir sie bitte behalten?“, zieht Ammon mich grinsend auf, und ich weiß ganz genau, worauf er hinauswill: Diese Frau nimmt absolut kein Blatt vor den Mund.
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