Zucker-Vampir
🔞 Nicht für Leser unter 18 Jahren. Pleite und verzweifelt, geht eine junge Frau eine Abmachung mit einem gefährlich verlockenden Milliardär ein, der ein übernatürliches Geheimnis birgt: Er nährt sich von Begierde. Als ihre Beziehung tiefer wird, gerät sie in eine schattenhafte Welt der Macht,...
Kapitel 1
Regen klopfte wie ungeduldige Finger an die Fenster des Diners. Das Neonschild summte schwach über ihr und warf einen kränklichen roten Schein auf die rissigen Fliesen. Chloes Hände, die eine angeschlagene Kaffeetasse umklammerten, zitterten, nicht vor Kälte, sondern vor Erschöpfung.
Sie hatte seit zwei Tagen nicht geschlafen. Die Medikamente ihrer Mutter waren vor drei Nächten ausgegangen. Und die Miete war eine Woche überfällig. Wieder einmal.
Ihre Turnschuhe klebten leicht am fettigen Boden, als sie hinter die Theke trat. Der Geruch von verbranntem Kaffee und Frittieröl haftete an ihrer Kleidung, ihrer Haut, ihren Haaren. Ihr Rücken schmerzte von der Doppelschicht, aber sie konnte es sich nicht leisten, früher zu gehen, nicht, wenn die Trinkgelder dieser Woche kaum ausreichten, um die Stromrechnung zu decken.
„Chloe“, bellte ihr Manager aus der Küche, „Kunde an Tisch sechs. Los!“
Sie zwang sich ein Lächeln auf und strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr. Sie sah älter aus als zweiundzwanzig. Das Leben hatte sie früh zermürbt. Kein Studium. Kein Sicherheitsnetz. Nur ihre Mutter.
Gelähmt nach einem Schlaganfall, ihr Körper in der Zeit eingefroren, aber ihre Augen noch scharf vor Traurigkeit und eine endlose Reihe von Mindestlohnjobs, die nie lange genug hielten.
An Tisch sechs saß ein Mann in einem Anzug, der viel zu teuer für diesen Teil der Stadt war. Seine Finger trommelten arrogant und langsam auf die Speisekarte. Er sah nicht auf, als sie sich näherte.
„Was darf’s sein?“, fragte sie, den Stift bereit.
Er warf ihr einen Blick zu, musterte sie langsam und grinste dann. „Nehmen Sie Trinkgeld in bar, oder… auf andere Weise?“
Chloe blinzelte. „Entschuldigen Sie?“
Er beugte sich vor, sein Atem sauer nach Alkohol und Macht. „Ich sage nur, Sie könnten in einer Stunde mit mir mehr verdienen als hier die ganze Woche.“
Ihr Griff um den Stift verstärkte sich. Vor ihren Augen sah sie das Gesicht ihrer Mutter, blass, stumm, wartend auf Medikamente, die sie sich nicht leisten konnten. Sie zwang ihren Kiefer, ruhig zu bleiben.
„Bestellen Sie etwas“, sagte sie flach, „oder gehen Sie.“
Er lachte. Laut. Hässlich. „Seien Sie nicht dumm, Süße. Frauen wie Sie sind nicht für echte Arbeit gemacht.“
Die Tasse in ihrer Hand rutschte. Kaffee spritzte über den Tisch, direkt in seinen Schoß.
Eine Sekunde Stille. Dann stand er auf und schleuderte die Tasse beiseite. „Du dumme Schlampe!“
Die Ohrfeige kam nie. Ihr Manager stürmte herbei, entschuldigte sich überschwänglich bei dem Mann und wandte sich mit Feuer in den Augen an sie.
„Du bist fertig, Chloe. Raus. Jetzt.“
Sie widersprach nicht. Zog einfach die Schürze aus, warf sie auf die Theke und ging hinaus in den Regen.
Ihre Turnschuhe waren durchnässt, als sie die Bushaltestelle erreichte. Die Straßen verschwommen unter Neonlichtern. Ihre Finger schmerzten vor Kälte, aber sie weinte nicht. Sie konnte sich den Luxus nicht leisten.
Ihr Telefon summte, eine Erinnerung aus der Apotheke.
Rezept bereit: $146.32.
Sie hatte zwölf Dollar in ihrer Brieftasche.
Chloe setzte sich auf die kalte Bank und atmete endlich aus. Sie hatte ihrer Mutter versprochen, alles in Ordnung zu bringen. Jetzt konnte sie nicht einmal ihre Anfallsmedikamente kaufen.
Sie starrte auf ihr Spiegelbild im Fenster der Bushaltestelle. Hohlwangig. Dunkle Ringe. Haare in einem unordentlichen Dutt. Ihr Hemd roch immer noch nach Fett. Sie sah aus wie ein Mädchen, das an einem Faden hing, und dieser Faden riss.
Auf der anderen Straßenseite fiel ihr ein flackerndes Schild auf:
Horizon Zeitarbeitsfirma — Heute arbeiten, heute bezahlt werden.
Es war nicht viel. Aber es war etwas.
Sie überquerte die Straße ohne nachzudenken und duckte sich unter das kaputte Vordach, als ein Blitz den Himmel hinter ihr spaltete.
Das Büro roch nach abgestandenem Parfüm und Tonerfarbe. Eine Frau saß hinter einem weißen Schreibtisch, ihr Lippenstift ein perfektes, blutrotes Rot. Sie sah auf, als Chloe nass, verzweifelt eintrat und ihre Handtasche umklammerte, als hielte sie ihr Leben.
„Suchen Sie Arbeit?“, fragte die Frau geschmeidig.
Chloe nickte. „Alles. Bitte.“
Die Augen der Frau huschten über sie, prüfend, fast hungrig. Dann lächelte sie, langsam und geheimnisvoll.
„Hmm. Die meisten Jobs sind heute ausgebucht. Aber…“ Sie öffnete eine Schublade und zog einen eleganten schwarzen Umschlag mit einem goldgeprägten Wappen heraus, ein altes Symbol, das wie eine um eine Rose gewickelte Schlange aussah.
„Was ist das?“, fragte Chloe misstrauisch.
„Ein Privatkunde. Extrem reich. Sehr… wählerisch. Er stellt nur über uns ein. Sie würden heute Abend hingehen. Keine Erfahrung notwendig. Und die Bezahlung ist“… die Frau beugte sich vor „beträchtlich.“
Chloe zögerte. „Was für ein Job ist das?“
Die Frau neigte den Kopf. „Er mag Gesellschaft. Jemanden zum Reden. Jemanden zum… Zuhören.“
Chloes Herz pochte. „Ist das also… Sexarbeit?“
Die roten Lippen der Frau kräuselten sich. „Nicht ganz. Er will deinen Körper nicht. Nicht so, wie du denkst. Er will etwas Tieferes.“
Die Worte sandten einen seltsamen Schauer durch sie.
„Er wird es erklären“, sagte die Frau und schob ihr die Karte in die Hand.
Die Adresse war in Gold geprägt. Kein Name. Keine Telefonnummer. Nur eine Zeit: Mitternacht.
Chloe starrte darauf. Das Papier fühlte sich schwer an. Luxuriös. Das Gold schimmerte im fluoreszierenden Licht. Ihre Finger zitterten leicht, als sie es umdrehte, in der Hoffnung auf weitere Informationen, aber die Rückseite war leer.
„Warum ich?“, fragte sie leise. „Sie haben mich gerade erst kennengelernt.“
Das Lächeln der Frau vertiefte sich. „Weil er jemanden wie Sie angefragt hat.“
Wie ich?
Chloe öffnete den Mund, um es zu hinterfragen, aber die Frau tippte bereits wieder, desinteressiert. Das Gespräch war beendet.
Sie ging hinaus in die Nacht, den schwarzen Umschlag an die Brust gedrückt. Der Regen hatte nachgelassen, aber die Luft war immer noch schwer. Elektrisch.
Sie blickte zum Himmel auf, grau, wirbelnd, fast lebendig. Donner rollte in der Ferne. Irgendwo hinter den Wolken schaute der Mond zu.
Mitternacht war in vier Stunden.
Und etwas tief in ihr flüsterte:
Das ist der Moment, der dein Leben für immer verändert.
Kapitel 2
Das Herrenhaus thronte wie ein in den Hang gemeißeltes Geheimnis, halb verschluckt vom Nebel, der wie ein lebendiges Wesen an den Bäumen hing. Seine Fenster glühten mit einem sanften, goldenen Puls, warm, einladend und doch irgendwie unheilvoll. Es war nicht nur ein Gebäude. Es war eine Präsenz. Wachsam.
Chloe stand am Fuße der langen, gewundenen Steinauffahrt, ihr Atem stockte irgendwo zwischen Ehrfurcht und Angst. Die eisernen Tore hatten sich hinter ihr geschlossen, sobald sie sie passiert hatte – lautlos, ohne Knarren oder Warnung. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als hätte sich die Luft selbst verändert, sobald sie das Anwesen betrat.
Sie zupfte am Saum ihres schwarzen Kleides, das sie für Vorstellungsgespräche und Beerdigungen aufbewahrte. An den richtigen Stellen eng, an den nötigen bescheiden, aber jetzt fühlte es sich zerbrechlich und unwesentlich an angesichts der Schwere des Ortes. Das Herrenhaus war schön, ja, aber es strahlte Macht, Alter, Geheimnis aus. Ihre Absätze klickten auf dem Steinweg, als sie ging, jeder Schritt lauter als der letzte in der dichten Stille.
Bevor sie die Tür erreichen oder die Hand zum Klopfen heben konnte, schwang sie auf.
Eine Frau stand im Türrahmen. Sie trug ein tief burgunderrotes Kleid, schlicht, aber elegant. Ihre Haut war blass und glatt, ihre Haltung perfekt, ihre Augen prüfend. Aber es war ihr Lächeln, das Chloes Puls schneller schlagen ließ – eine leichte, wissende Krümmung der Lippen, die Geheimnisse und Überlegenheit verriet.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte die Frau mit tiefer, melodiöser Stimme.
Chloe schluckte, fummelte leicht, als sie eine elegante schwarze Karte hervorholte. „Ich… ich wurde von einer Arbeitsvermittlung geschickt.“
Die Frau nahm die Karte, ohne sie anzusehen. Ihr Lächeln vertiefte sich nur leicht, als amüsiere sie sich über etwas, das Chloe nicht sehen konnte. „Ja. Sie dürfen hereinkommen.“
Die Worte fühlten sich endgültig an. Nicht einladend. Nicht warm. Einfach… absolut.
Chloe zögerte, trat aber ein.
Die Luft war wärmer als erwartet, duftete nach etwas Reichem und Flüchtigem: Gewürzen, Bernstein, Hitze. Schatten klammerten sich an die Ecken des hochgewölbten Foyers, und das einzige Licht kam von Wandleuchtern, deren Flammen unnatürlich ruhig flackerten.
„Ich—äh. Wer genau hat mich eingestellt?“, fragte Chloe, als sie der Frau tiefer ins Herrenhaus folgte.
Die Frau antwortete nicht. Stattdessen führte sie Chloe einen langen Korridor entlang, der mit Porträts gesäumt war. Keines der Gesichter war bekannt. Die meisten waren durch das Alter verschwommen oder verdunkelt. Es war unmöglich zu sagen, ob es alte Fotografien oder Ölgemälde waren, die in der Feuchtigkeit der Zeit geschmolzen waren. Alle paar Meter schien das Kerzenlicht leicht zu flackern, als reagiere es auf Chloes Unbehagen.
Am Ende des Ganges stieß die Frau zwei große Türen auf und enthüllte eine Kammer, die nur von Kerzen beleuchtet wurde. Samtvorhänge hingen von der Decke bis zum Boden und verschluckten den Schall. In der Mitte des Raumes, von der Tür abgewandt, stand ein hochlehniger Ledersessel.
„Der Hausherr wird Sie jetzt empfangen“, sagte die Frau und wandte sich dann Chloe zu. „Ziehen Sie Ihre Schuhe aus. Und Ihr Telefon. Lassen Sie sie an der Tür.“
Chloe blinzelte. „Warum?“
„Weil er es so bevorzugt.“
Ihre Stimme hatte etwas Endgültiges. Kein Raum für Diskussionen. Kein Angebot der Beruhigung.
Chloe zögerte, beugte sich aber langsam, um ihre Schuhe auszuziehen. Der Marmorboden war kühl unter ihren Füßen. Sie legte ihr Telefon vorsichtig auf den kleinen Holztisch neben der Tür, halb erwartend, dass ein Alarm losgehen würde, sobald sie es losließ.
Die Frau nickte einmal und trat zurück, wobei sie die Türen mit einem leisen Klicken hinter sich schloss.
Nun war Chloe allein.
Sie machte einen Schritt nach vorn. Dann noch einen.
Ihr Herzschlag schien in ihren Ohren zu hallen. Es war etwas Seltsames an dem Raum. Die Stille war nicht leer, sie war voll. Schwer. Als ob die Luft selbst den Atem anhielt.
Der Stuhl drehte sich langsam.
Sie spannte sich an. Sie erwartete einen älteren Mann – vielleicht einen exzentrischen Milliardär oder einen schmierigen Geschäftsmagnaten. Sie war auf Selbstgefälligkeit oder Herablassung vorbereitet.
Aber sie war nicht auf ihn vorbereitet.
Der Mann im Sessel stand mit stiller Selbstsicherheit auf. Er war groß, schlank, trug ein schwarzes Hemd, das am Hals aufgeknöpft war, die Ärmel bis zur Hälfte seiner Unterarme hochgekrempelt. Seine Haut war blass, aber warm, sein Haar dunkel und perfekt zerzaust. Seine Augen, Gott, seine Augen waren dunkler als die Nacht, aber nicht leer. Sie glühten, schwach, wie Feuer, das unter Obsidian schwelte.
„Chloe Bennett“, sagte er, seine Stimme sanft wie Samt. „Sie sind gekommen.“
Ihr Mund öffnete sich, dann schloss er sich. „Woher kennen Sie meinen Namen?“
Er lächelte sanft. „Sie haben Ihre Informationen bei der Person hinterlassen, die Sie vermittelt hat, nicht wahr?“
Sie zögerte. „Ich schätze schon… ja. Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so direkt sein würde.“
„Ich war mir nicht sicher, ob Sie kommen würden“, sagte er und stieg vom Podest herab, auf dem der Stuhl stand.
Sie verschränkte die Arme, plötzlich defensiv. „Ich hatte keine große Wahl. Ich brauche das Geld.“
„Wahl ist eine seltsame Sache“, sagte er und ging mit bedächtiger Langsamkeit auf sie zu. Er bewegte sich wie ein Schatten, wie Rauch, wie ein Flüstern von Wind durch Seide. „Die meisten Menschen erkennen sie nicht, wenn sie direkt vor ihnen steht.“
Sie kämpfte gegen den Drang zurückzuweichen. „Was genau ist dieser Job?“
Er antwortete zunächst nicht. Stattdessen blieb er direkt vor ihr stehen. Nah genug, dass sie seine Anwesenheit wie eine Hitze spüren konnte. Er hob etwas in seiner Hand hoch, eine seidene Augenbinde, schwarz und weich, zwischen zwei langen Fingern gehalten.
„Vertrauen Sie mir, Chloe?“, fragte er.
Sie lachte kurz, ungläubig. „Ich kenne Sie nicht einmal.“
„Das ist die beste Zeit, jemandem zu vertrauen“, murmelte er, seine Stimme jetzt nah an ihrem Ohr. „Keine Vergangenheit. Kein Ballast. Keine Erwartungen. Nur… Empfindung.“
Sie konnte seinen Atem an ihrem Nacken spüren. Er war nicht kalt. Er war nicht einmal neutral. Er war warm. Lebendig. Elektrisch.
„Ich… ich weiß nicht, was das soll“, sagte sie, ihre Stimme leiser als zuvor.
„Wenn Sie gehen wollen“, sagte er, „können Sie. Die Tore werden sich öffnen. Niemand wird Sie aufhalten. Und in einer Stunde werden Sie sich an nichts davon erinnern.“
Sie blinzelte. „Was?“
„Sie haben mich gehört.“ Seine Stimme war immer noch sanft, aber jetzt trug sie etwas Gewichtigeres, Gewissheit. Macht. „Oder… Sie können bleiben. Und lernen, was es bedeutet, wirklich gesehen zu werden. Wirklich… gefühlt.“
Eine Stille breitete sich zwischen ihnen aus, knisternd vor Möglichkeiten.
Jeder rationale Teil ihres Verstandes schrie sie an, wegzulaufen. Ihr Telefon zu schnappen. Durchzudrehen. Aber ihre Füße blieben wie angewurzelt. Ihr Atem blieb flach. Ihr Körper… lehnte sich leicht nach vorn.
Sie war sich nicht sicher, warum.
Sie war sich nicht sicher, ob es Neugier oder Wahnsinn oder etwas viel Älteres, viel Tieferes war.
Aber sie nickte.
Langsam, leise.
Sie nickte.
Kapitel 3
Valerius trat hinter sie, und in dem Moment, als die Augenbinde ihre Haut berührte, war es, als verenge sich die Welt auf das Pochen ihres Pulses.
Die Seide glitt über ihre Stirn und wurde hinter ihrem Kopf mit einem zarten, endgültigen Zug gebunden. Dunkelheit umhüllte sie, weich und vollständig, und verstärkte alles andere, ihr Gehör, ihren Atem, die plötzliche Rohheit ihres eigenen Körpers, der dem Unsichtbaren ausgesetzt war.
Die Luft bewegte sich um sie herum. Sie spürte ihn, obwohl er sie nicht mit einem einzigen Finger berührt hatte. Das Gewicht seines Blicks, falls er überhaupt schaute, war schwerer als Hände. Sie konnte ihr Herz in ihrem Hals schlagen fühlen.
Dann kam seine Stimme. Tief. Samt-dunkel.
„Atme.“
Sie tat es.
„Langsamer.“
Sie versuchte es, aber ihre Brust hob sich bereits zu schnell, Hitze durchflutete ihre Gliedmaßen wie Wein.
„Du bist nicht in Gefahr“, sagte er, ruhig und überredend. „Du wirst studiert. Gehört. Verehrt. Du bist aus der Welt getreten… und in meine.“
Er bewegte sich um sie herum, sie hörte nichts, aber sie wusste es. Eine Verschiebung des Drucks, so wie man einen Sturm kommen spürt, bevor der erste Tropfen fällt.
„Spannung sitzt in deinen Schultern“, sagte er. „Lass sie los.“
Ihre Schultern fielen.
„Dein Kiefer… entspann dich.“
Ihr Mund öffnete sich leicht. Ihre Lippen kribbelten.
„Dein Puls…“ Sein Atem, vielleicht? Strich über ihr Schlüsselbein. „Lass ihn rasen. Das ist jetzt meins.“
Sie zitterte. Eine langsame Blüte entzündete sich tief in ihrem Bauch, flüssig und verzehrend.
Er umkreiste sie wieder, und obwohl kein physischer Kontakt bestand, reagierte ihre Haut wie Wind über Wasser – Wellen von Empfindungen überall. Ihre Brustwarzen spannten sich unter ihrem Kleid, empfindlich gegen den dünnen Stoff. Ihre Oberschenkel pressten sich instinktiv zusammen.
Valerius’ Stimme war wieder näher, an ihrem Ohr. „Fühlst du es?“, fragte er.
Sie nickte, atemlos.
„Den Schmerz?“
Ein weiteres Nicken.
„Gut.“
Sie konnte ihn riechen, etwas Dunkles und Seltenes, Zedernholz und alte Gewürze, wie Seiten verbotener Bücher, die zu lange offen lagen. Es machte sie schwindelig.
„Ich möchte, dass du zuhörst“, sagte er. „Höre nicht auf meine Worte. Sondern auf die Art, wie ich sie spreche. Lass das dich umhüllen. Lass es herein.“
Sie tat es.
Sein Ton änderte sich, tiefer jetzt. Langsamer. Jedes Wort schlug wie ein leiser Trommelschlag auf die Innenseite ihrer Haut.
„Ich möchte dein Vergnügen hören. Nicht von meinen Händen. Nicht von deinen Lippen. Von deinem Geist. Von deiner Erinnerung. Von deinem Bedürfnis.“
Chloe keuchte, als etwas ihren Nacken streifte, eine Phantomberührung, ein Atemzug, ein Gedanke. Sie war sich nicht sicher. Ihre Haut war so feinfühlig geworden, dass sie jeden Lufthauch wie eine Liebkosung spürte.
Dann verdrehten sich seine Worte, dunkler. Reicher.
„Ich möchte, dass du dir vorstellst, wie du kniest. Vor mir. Entblößt, nicht nur von Stoff, sondern von Angst. Von Scham. Und ich möchte, dass du meine Augen spürst, nur meine Augen, die wie ein Kuss aus Feuer deinen Rücken hinunterwandern.“
Ihre Knie gaben nach.
„Ich möchte, dass du mich hörst, wie ich dir sage, was du tun sollst… nicht, weil du gehorchen musst… sondern weil du es willst. Weil jeder Teil von dir danach schreit, zu folgen. Und gelobt zu werden. Und gesehen zu werden.“
Sie stöhnte leise. Sie wusste nicht einmal, dass sie es tat, bis der Laut ihre Lippen verließ.
„Braves Mädchen“, flüsterte er.
Ihr ganzer Körper zitterte.
Es war lächerlich unmöglich. Er berührte sie nicht. Und doch verkrampfte sich ihr Innerstes vor verzweifeltem Verlangen. Ihr Atem stockte. Es gab keine Logik darin. Nur Empfindung, Hingabe, die Wahrheit ihres Körpers, die lauter sang als jeder Gedanke.
„Jetzt“, sagte er, seine Stimme ein langsames Ausgießen von Hitze. „Ich möchte, dass du dich an das letzte Mal erinnerst, als du dich selbst berührt hast. Aber diesmal sind es nicht deine Finger. Sondern ich. Nur meine Stimme. Nur dein Geist. Keine Hände. Keine Scham.“
Die Anregung sank wie samtene Ketten in sie. Sie gehorchte nicht mit Bewegung, sondern mit Vorstellungskraft, Atem, Spannung.
Er umkreiste sie wieder, still, unsichtbar, überall.
„Zeig mir, wie es klingt, wenn du dich… völlig aufgelöst fühlst.“
Sie wollte nicht aufschreien. Aber der Druck in ihr, aufgerollt und zitternd, brach endlich. Es war gleichzeitig sanft und scharf, wie etwas Elektrisches, das sich entriegelte.
Der Höhepunkt traf sie in einer Welle, die sie nicht verstehen konnte. Ihre Hände bewegten sich nie. Ihre Beine knickten ein. Ihr Schrei war scharf, wunderschön, roh. Jeder Zentimeter ihrer Haut brannte vor Lust.
Und als die Welle zurückging, zitterte sie. Kaum fähig zu atmen.
Stille kehrte zurück wie eine Decke, schwer und warm.
Die Seide lockerte sich. Finger lösten sanft den Knoten. Die Augenbinde glitt ab.
Sie blinzelte. Das Kerzenlicht kehrte zurück. Der Raum. Die Luft.
Valerius stand vor ihr, nicht näher als zuvor. Sein Gesicht war ruhig. Ehrfürchtig. Ungehetzt.
Kleidung intakt. Körper unberührt.
Und doch…
Sie fühlte sich, als wäre sie geöffnet und neu geschrieben worden.
Er lächelte.
„Ich muss dich nicht berühren, um dich zu besitzen“, sagte er. „Dein Körper spricht bereits zu mir.“
Sie starrte ihn an, zu errötet, um zu antworten.
Er drehte sich um und ging zurück zu dem hohen Ledersessel.
„Kommen Sie morgen wieder“, sagte er einfach.
„Es sei denn, Sie haben Angst davor, was ich Sie sonst noch fühlen lassen könnte.“
Sie sprach nicht.
Sie konnte nicht.
Als die Türen sich endlich wieder öffneten, wartete die Frau in Burgund lautlos im Flur. So gefasst und unergründlich wie zuvor.
Sie reichte Chloe einen blassen Umschlag.
„Das ist Ihre Bezahlung“, sagte sie.
Chloe nahm ihn, ihre Finger kribbelten auf dem glatten Papier. Sie stellte keine Fragen. Sprach nicht. Sie ging an der Frau vorbei und holte ihre Schuhe, ihr Telefon.
Die eisernen Tore öffneten sich vor ihr mit einem Zischen und Seufzen, als ob sie sie ausatmen würden.
Sie ging durch den Nebel, ihr Kopf drehte sich. Vielleicht war es elektrisch. Vielleicht automatisiert. Vielleicht.
Sie setzte sich in ihr Auto und schloss die Tür. Der Umschlag zitterte leicht auf ihrem Schoß.
Sie öffnete ihn.
Gestapelte Geldscheine.
Sie zählte einmal. Dann noch einmal.
Zweitausend Dollar.
Wofür?
Für Hingabe?
Dafür, ohne eine einzige Berührung aufgelöst zu werden?
Sie wusste es nicht.
Aber die Hitze zwischen ihren Beinen pochte immer noch sanft. Ihr Atem hatte sich nicht verlangsamt.
Und irgendwo hinter ihr blickte das Herrenhaus.
Wartend.
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