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Die verborgene Erbin: Verraten vor ihrer Enthüllung

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Kapitel 1 — Es zeigt, dass du unverheiratet bist

Sharon Rincons Knöchel traten weiß hervor, als sie ihr Handy fest umklammerte.
Endlich hatte sie den Anruf erhalten – den Anruf, auf den sie fünf lange Jahre gewartet hatte. Es war Daniel Canter, der rechte Mann ihres Großvaters.
„Frau Rincon, Ihre Ehe mit Herrn Colbert hat die von Ihrem Großvater festgelegte fünfjährige Probezeit offiziell bestanden.“
„Er sagt, Sie können Ihren Mann jetzt nach Hause bringen. Er ist bereit, Ihnen frühzeitig alle seine Vermögenswerte notariell beglaubigen zu lassen. Welcher Zeitpunkt passt Ihnen?“
„Wirklich?“, fragte Sharon aufgeregt, ihre Stimme zitterte. „Herr Canter, das ist unglaublich! Heute – jetzt gleich – werde ich da sein!“
Sie legte auf und stieß einen zitternden, erleichterten Seufzer aus.
Gott sei Dank!
Ihr Großvater hatte ihr endlich vergeben. Vor fünf Jahren hatte sie ihre eigene Ehe der von der Familie arrangierten Ehe vorgezogen und ihren Status als Erbin aufgegeben, um Gary Colbert zu heiraten – und jetzt hatte sich alles gelohnt.
Sie hatte mit ihrer Einschätzung recht gehabt.
Gary war jedes Opfer wert, das sie damals gebracht hatte.
Heute war nicht nur das Ende des Prozesses – es war auch sein fünfter Jahrestag.
Sie wollte ihn mit einer riesigen Überraschung konfrontieren – und mit einer Zukunft, die endlich real war, ohne Geheimnisse.
Die Lobby des Notariats roch nach altem Papier und Tinte – stickig, offiziell.
Mit pochendem Herzen zog Sharon die Heiratsurkunde hervor, die sie fünf Jahre lang wie einen Schatz gehütet hatte, und reichte sie vorsichtig dem Standesbeamten.
Sie stellte sich Garys Gesicht vor – schockiert, glücklich, vielleicht sogar ein wenig tränenreich – und ein sanftes Lächeln huschte über ihre Lippen.
Doch während der Angestellte tippte und das System immer wieder überprüfte, zogen sich seine Brauen zusammen. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.
Er blickte auf, sein Blick war scharf, als er Sharon anstarrte. Seine Stimme war emotionslos, es gab keinen Raum für Widerspruch.
„Frau Rincon, es tut mir leid, aber diese Heiratsurkunde ist gefälscht. Das System sagt, Sie seien unverheiratet.“
„Unverheiratet?“ Sharons Lächeln erstarrte. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. „Das kann doch nicht wahr sein!“
Der Angestellte beachtete ihre Panik nicht einmal. Er redete einfach weiter, eiskalt.
„Was Gary Colbert betrifft – er ist verheiratet. Seine offizielle Ehefrau ist Chloe Lopez.“
"Was?!"
Es war, als hätte ihr jemand mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen. Ihr Kopf war völlig leer.
Sie sprang von ihrem Stuhl auf, ihre Stimme schrillte.
"Du lügst! Das ist unmöglich! Mein Mann hat mir dieses Zertifikat selbst gegeben. Wie kann es gefälscht sein?!"
„Systemdaten lügen nicht.“ Der Angestellte wirkte emotionslos. „Sie haben auch eine fünfjährige Tochter. Sie trägt den Nachnamen ihrer Mutter – Mia Lopez.“
"Was?" Sharon stolperte und konnte kaum das Gleichgewicht halten.
Eine Tochter? Fünf Jahre alt?
Meine geliebte Patentochter Mia ist also tatsächlich Garys und Chloes Kind?!
„Gary und Chloe haben vor fünf Jahren geheiratet – genau zur gleichen Zeit wie diese gefälschte Heiratsurkunde, die Sie haben.“
Sharon wurde schwarz vor Augen. Sie begann nach hinten zu sacken.
Zum Glück war Daniel direkt hinter ihr. Er reagierte blitzschnell und fing sie auf, bevor sie auf den Boden aufschlug.
„Frau Rincon!“, Daniels Stimme war vor Schock und Wut angespannt. „Wie kann Gary es wagen, Sie so anzulügen! Ich rufe sofort Herr Rincon an – er wird …“
„Nein!“, unterbrach ihn Sharon scharf. Sie presste die Hand an die Stirn, ihre Nägel gruben sich in ihre Handfläche. „Herr Canter, sagen Sie es Opa nicht … geben Sie mir etwas Zeit. Ich muss die Wahrheit selbst herausfinden. Bitte – bewahren Sie Stillschweigen.“
Irgendwas machte in ihrem Kopf Klick. Ihre Stimme klang trocken und kratzig.
„Dieses Kind... könnten Sie bitte noch einmal ihr Geburtsdatum überprüfen?“
Das Tippen des Angestellten klang in dem stillen Raum laut und schrill.
"29. Juni 2022, 16:39 Uhr."
Diese kalten Zahlen waren wie eine Nadel, die direkt in die alte Narbe in Sharons Erinnerung stach.
Das war der Tag, an dem sie gestürzt war. Der Tag, an dem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. Der Tag, an dem sie ins Krankenhaus gebracht worden war.
Das Baby, für das sie so hart gekämpft hatte – um 20:13 Uhr an diesem Abend für immer fort.
Tränen traten Sharon in die Augen und rannen über ihre Wangen.
Dieses Baby war ihr Ein und Alles gewesen – sie hatte unzählige Medikamente getrunken, unzählige Fruchtbarkeitsspritzen bekommen, nur um schwanger zu werden.
Sie war erst im zweiten Monat schwanger – zu früh, als dass das Baby stabil sein könnte –, als sie plötzlich zu Hause stolperte und es verlor.
Schwanger zu werden war für sie nie einfach gewesen. Die Fehlgeburt hatte sie fast gebrochen.
Sie hatte in diesem Krankenhausbett gelegen und so starke Schmerzen gehabt, dass sie kaum atmen konnte. Aber Gary? Er hatte ihr nur sanft auf den Rücken geklopft und mit ruhiger Stimme gesagt: „Sharon, sei nicht traurig. Es ist besser so, dass das Baby weg ist. Wir stehen erst am Anfang unserer Karrieren – jetzt ist sowieso nicht die Zeit für Kinder.“
Es stellte sich heraus, dass es nicht „nicht der richtige Zeitpunkt“ war. Es lag vielmehr daran, dass er bereits am selben Tag ein Kind bekommen hatte.
Der Schatz, den sie verloren hatte? Er war für ihn nur ein unerwünschter Nebeneffekt seines Plans.
Die Angestellte gab ihr das gefälschte Zertifikat zurück. Sharons Hand rutschte ab und knallte mit einem lauten „Klatsch“ auf den glänzenden Boden.
Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Ihre fünfjährige Liebe, ihre bedingungslose Hingabe – alles nur ein dummer Witz.
Sie verließ das Büro, und der eisige Wind peitschte ihr ins Gesicht. Er klärte ihren Kopf ein wenig, aber nichts konnte die Kälte in ihrer Brust vertreiben.
Daniel folgte dicht dahinter, sein Gesichtsausdruck war besorgt.
„Frau Rincon, Gary ist ein herzloser Idiot. Sind Sie sicher, dass Sie nicht möchten, dass Herr Rincon sich einschaltet? Er wird Ihnen zu Gerechtigkeit verhelfen.“
Sharon schüttelte langsam den Kopf. Doch ihre Augen – einst voller Schock und Trauer – waren nun kalt, hart vor Entschlossenheit.
Sie holte tief Luft, ihre Stimme war ruhig.
„Nein. Herr Canter, sagen Sie Opa, dass ich in einem Monat wieder da bin – mit Antworten. Und ich werde das Familienunternehmen übernehmen. Sagen Sie ihm, er soll sich keine Sorgen machen.“
Damit drehte sie sich um, hielt ein Taxi an und nannte dem Fahrer die Firmenadresse von Gary.

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Kapitel 2 — Weiße Rosen und rote Rosen

Das Taxi hielt vor der Colbert Gruppe, und Sharon sprang sofort heraus.
Sie hatte kaum einen Fuß auf dem Bürgersteig, als sie einen Lieferanten herbeieilen sah, die Arme vollgepackt mit einem riesigen Strauß roter Rosen.
Die Verpackung, die Karte – die hätte sie überall wiedererkannt. Die stammten aus dem schicken Blumenladen, bei dem Gary immer bestellte.
Sharons Herz zog sich zusammen. Noch bevor sie darüber nachdenken konnte, ballte sie die Finger zu Fäusten.
Sie beeilte sich, mit ihm Schritt zu halten, und schlüpfte mit ihm in den Aufzug. Sie erhaschte einen Blick auf die Nachricht auf der Karte: „Alles Gute zum Geburtstag, Chloe. In Liebe.“ Es fühlte sich an, als ob ihr eine Nadel mitten ins Herz stach.
Heute war nicht nur ihr und Garys fünfter Hochzeitstag – es war auch Chloes Geburtstag.
Seine angeblichen „Überstunden“ waren nur eine Lüge, um sie zu verbergen – damit er im Büro eine Geburtstagsfeier für seine eigentliche Frau veranstalten konnte.
Sharon ballte die Fäuste so fest, dass ihre Knöchel blass wurden.
Sie stieg aus dem Aufzug, und plötzlich drang die Stimme eines vertrauten Mannes an ihr Ohr.
Es handelte sich um Gary und seinen besten Freund und Geschäftspartner Mike Freeman.
„Mike.“ Garys Stimme war tief und sanft, so zärtlich wie immer. „Heute ist Sharons und mein fünfter Jahrestag. Kannst du das Armband, das ich für sie gemacht habe, mit nach Hause nehmen? Nimm auch 999 weiße Rosen mit und häng eine Karte dran, auf der steht: ‚Halte deine Hand, werde mit dir alt.‘“
Sharon umklammerte den Blumenstrauß in ihren Armen so fest, dass ihr die Finger schmerzten. Ihre Füße fühlten sich an, als wären sie am Boden festgeklebt.
Mike schnaubte verächtlich. „Mann, du bist total vernarrt in Sharon. Alle nennen dich den absoluten Traummann. Aber mal ehrlich – wenn du sie so sehr liebst, warum hast du dann überhaupt Chloe geheiratet?“
Im Flur wurde es still, nur Garys leises Lachen und das schwache Flackern eines Zigarettenstummels in der Dunkelheit waren zu hören.
"Sharon bringt meine ganze Liebe zum Ausdruck."
„Chloe hingegen? Sie hält sich gern im Hintergrund – gehorsam, fleißig. Und sie hat mir dieses süße kleine Mädchen geschenkt. Sie zu heiraten ist meine Art, es ihr wiedergutzumachen …“
Sharon stand im Schatten, alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. Zurück blieb nichts als kalte, eisige Taubheit.
„Aber es sind jetzt fünf Jahre vergangen“, warf Mike mitfühlend ein. „Sharon wünscht sich so sehr ein Kind, und du … du hast absichtlich Öl auf den Boden geschüttet, damit sie ausrutscht und das Baby verliert. Sie hat immer noch keine Ahnung …“
Er änderte seinen Tonfall. „Und jetzt ist Chloe mit deinem zweiten Kind schwanger. Gary, hast du keine Angst, dass Sharon ausrastet, wenn sie die Wahrheit erfährt?“
Sharon erstarrte – ihr Blut schien in ihren Adern zu Eis gefroren zu sein.
Dieser zufällige Sturz damals war also kein Unfall. Er hat ihn absichtlich herbeigeführt!
„Chloe wird dieses Geheimnis für immer bewahren. Sharon wird es niemals erfahren“, sagte Gary und hielt einen Moment inne, bevor er mit absoluter Überzeugung sprach.
„Ich liebe Sharon“, fügte er aufrichtig hinzu. „Als ich nichts hatte, hielt sie vier Jahre lang zu mir. Sie kratzte fünf Millionen für mein Start-up zusammen und stand mir in meiner tiefsten Krise bei. Aber auch Chloe hat so viel für mich ertragen. Ich kann sie nicht enttäuschen. Ich will beide!“
Er erinnerte sich noch gut daran, wer für ihn da gewesen war, als er am Boden zerstört war.
Doch all die schweren Jahre, die sie gemeinsam durchgemacht hatten, konnten ihn nicht davon abhalten, jemand anderen zu lieben.
Wie lächerlich.
Ihre Stimmen verstummten, als sie weggingen.
Sharons Augen brannten vor Tränen. Durch die Glasfenster des Büros konnte sie den Raum sehen, der mit Blumen und einer Ballonwand geschmückt war – eine richtige Partystimmung.
Alle Angestellten drängten sich um Chloe, die über beide Ohren grinste. Und Gary stand direkt neben ihr, so nah wie möglich.
Sie lehnten sich aneinander, ihre Blicke sanft und voller Liebe.
"Alles Gute zum Geburtstag, Frau Colbert!"
„Ich wünsche Ihnen und Herrn Colbert ewiges Glück – und bald ein Baby!“
Jubel und gute Wünsche strömten auf Sharon ein und trafen sie wie Millionen winziger Nadeln.
Sie ist also Frau Colbert!
Sie wird bald ein Baby bekommen!
Während der drei Jahre, in denen sie Vollzeit zu Hause geblieben war, hatte Chloe bereits ihren Platz eingenommen – sie nannte sich offen „Frau Colbert“ und genoss den Segen aller.
Kein Wunder, dass Gary ihr danach verboten hatte, das Unternehmen auch nur einen Fuß zu setzen.
Sie hatte sich vorher nie Gedanken darüber gemacht – sie nahm an, er habe ein schlechtes Gewissen, weil sie in der Anfangszeit so hart gearbeitet hatte, und wolle, dass sie sich zu Hause erholte.
Doch jetzt wusste sie es. Er hatte sich längst ein Liebesnest für eine andere Frau gebaut und versteckte sich vor ihr, während er sein kleines Doppelleben führte.
Weiße Rosen und rote Rosen, von wegen!
Der Blumenstrauß in ihrer Hand glitt ihr aus der Hand und fiel mit einem lauten Knall zu Boden. Bunte Blütenblätter verstreuten sich überall – genau wie ihre sogenannte Beziehung.
Sie beobachtete die vertrauten Gesichter im Büro – alle grinsten und krochen Chloe jetzt an.
Als Sharon sah, wie sie sich wie dieses „glückliche“ Paar aneinander lehnten, empfand sie nichts als bittere Ironie.
Sie holte tief Luft, unterdrückte den metallischen Geschmack in ihrem Hals und stieß die Bürotür auf.
„Na sowas. Sieht so aus, als ob hier eine Party im Gange ist.“
Sharon kam langsam herein, ihre Stimme durchdrang den Lärm.
Alle Blicke im Raum richteten sich auf sie.
Der Lärm verstummte augenblicklich – es wurde totenstill. Im nächsten Augenblick fuhren Gary und Chloe voneinander weg, als hätte sie ein Stromschlag getroffen.
Garys Augen weiteten sich einen kurzen Moment lang vor Panik. Er eilte hinüber und packte Sharons Handgelenk fest.
"Sharon? Was machst du denn hier?"
Sharon zwang sich zu einem Lächeln und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen, bevor er auf Garys schockiertem Gesicht ruhte.
„Du warst noch nicht so spät zu Hause, deshalb wollte ich mal nach dir sehen. Bist du mit deinen Überstunden fertig?“
Gary drückte plötzlich fester ihre Hand, sein Gesichtsausdruck wurde ernst.
„Sharon, du kommst wie gerufen! Chloe hat einen riesigen Auftrag über eine Milliarde Dollar von der Ocean Gruppe an Land gezogen – ein absoluter Riesenerfolg! Deshalb habe ich hier eine Party für sie geschmissen, und wir feiern auch noch ihren Geburtstag. Du bist immer so verständnisvoll – du wirst mir doch nicht böse sein, oder?“
Sharon erstarrte.
Die Ocean Gruppe war schlicht und einfach eine Tochtergesellschaft der Rincon Gruppe. Der einzige Grund, warum sie mit der Colbert Gruppe zusammengearbeitet hatten, war sie.
Wann wurde dieser Großkunde plötzlich zu Chloes Fang?
Als Gary sah, dass Sharon schwieg, geriet er in Panik. Er zwinkerte Chloe kurz zu.
„Chloe, du und Sharon seid beste Freundinnen. Beeil dich und erkläre, was los ist.“
Die Worte „beste Freunde“ trafen Sharon wie ein Schlag ins Gesicht.
Ihr Blick wanderte langsam zu Chloe. Als sie an all die Male dachte, in denen sie ihr über die Jahre geholfen und sich um sie gekümmert hatte, brannten ihre Augen plötzlich.
Chloes Gesichtsausdruck erstarrte einen Moment lang, dann lächelte sie, trat vor und nahm Sharons andere Hand.
„Sharon, sei nicht böse. Herr Colbert wollte euren Jahrestag wirklich nicht verpassen. Es ist nur so, dass wir endlich den Vertrag mit der Ocean Gruppe abgeschlossen haben – alle waren so aufgeregt, dass sie unbedingt feiern wollten… Mein Geburtstag ist da nur Nebensache.“
Während sie sprach, lächelte Chloe plötzlich und sah alle an. „Herr Colbert meinte gerade, er wolle das Ganze schnell beenden, damit er nach Hause fahren und mit Ihnen Ihren Jahrestag feiern kann. Stimmt das nicht, alle zusammen?“
Zu Sharons Überraschung stimmten alle Angestellten sofort zu.
"Ja, absolut! Wer weiß denn nicht, dass Herr Colbert ein absoluter Ehefrauen-Typ ist?"
"Sharon, nimm es nicht persönlich."
Sharon blickte in die vertrauten Gesichter – Menschen, die seit den bescheidenen Anfängen der Firma an ihrer Seite gewesen waren. Nun folgten sie Chloes Beispiel und verbreiteten Lügen. Ihr Herz zog sich schmerzlich zusammen, und ihre Finger gruben sich tief in ihr Fleisch.
Sie befreite ihre Hände aus dem Griff von Gary und Chloe und ging ruhig auf den Kuchentisch zu.
Aus der Nähe betrachtet, sah sie eine Diamantbrosche und den leuchtend roten Blumenstrauß, der ruhig auf einem mit einem roten Seidentuch bedeckten Tisch lag.
Diese Diamantbrosche hatte sie sich schon ewig gewünscht. Sie hatte schon einmal versucht, sie zu kaufen, aber im Laden hieß es, sie sei bereits verkauft.
Gary hatte es also gekauft. Aber nicht für sie.
„Diese Brosche und die Blumen sind wunderschön…“
Sharons Blick glitt an Chloes blassem Gesicht vorbei, als wäre es unsichtbar, und richtete sich direkt auf Gary. „Ist das mein Geschenk zum fünften Jahrestag?“

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Kapitel 3 — Vernunftehe

Chloes Gesichtsausdruck verfinsterte sich. Ohne nachzudenken, machte sie einen Schritt nach vorn. „Das ist …“
„Ja! Genau!“ Gary ging direkt auf Sharon zu und drückte ihr den Blumenstrauß und die Geschenkbox in die Hände. „Bring die erst mal nach Hause. Ich bin gleich wieder da, okay?“
Chloe versuchte noch etwas zu sagen, aber Gary unterbrach sie mit einem scharfen Blick.
Es war sonnenklar, dass er es eilig hatte, sie da rauszubringen.
Sharon ballte die Finger in ihren Ärmeln zu Fäusten. Sie starrte Gary ins Gesicht, die Worte lagen ihr auf der Zunge, doch sie schluckte sie hinunter.
Sie nickte nur leise. „Okay. Komm früh nach Hause.“
Vor den Toren des Firmengeländes brachen Sharons Tränen schließlich hervor – heiß und schwer, rannen sie über ihre Wangen und spritzten auf ihre Hände.
Sie holte zitternd tief Luft, um sich zu fassen, kramte dann ihr Handy hervor und wählte sofort Daniels Nummer.
„Herr Canter, weisen Sie die Ocean Gruppe an, die Partnerschaft mit der Colbert Gruppe vorerst auf Eis zu legen. Aber halten Sie sie am Ball – lassen Sie sie nicht verlieren. Warten Sie auf meinen Anruf.“
„Verstanden, Frau Rincon. Wenn Sie diesen Monat irgendetwas brauchen, melden Sie sich einfach“, antwortete Daniel ohne zu zögern.
"Danke."
Sharon legte auf und scrollte gedankenverloren durch ihre Social-Media-Feeds, ihre Fingerspitzen waren eiskalt.
Der Bildschirm leuchtete auf. Ein pechschwarzes Profilbild – eines, das seit fünf Jahren nicht mehr aktiv gewesen war, eines, das sie fast vergessen hatte – hatte gerade einen neuen Status veröffentlicht.
Es hieß: „Suche Ehepartner. Bei Interesse bitte per Direktnachricht melden.“
Der Schauplatz war Jadenity. Ihre Heimatstadt, der Ort, den sie vor so langer Zeit verlassen hatte.
Er war es – Julian Becker, der arrangierte Ehepartner, den sie vor all den Jahren für Gary eiskalt verlassen hatte.
Wie im Autopilot tippte sie auf den Pfosten.
Ihr Finger bewegte sich wie von selbst, ein leichtes Wischen – und unter diesem Status erschien ein helles, grelles „Gefällt mir“.
"Ding—"
Der Benachrichtigungston durchdrang die Stille des Flurs, schrill und erschreckend.
Das pechschwarze Profil antwortete prompt: „Bereust du es jetzt?“
Drei einfache Worte, durchzogen von seiner üblichen Arroganz und einem Hauch von Spott. Es traf mich wie ein Schlag ins Gesicht.
Sharon starrte auf den Bildschirm, ihr Herz raste. Ihr Handy glitt ihr mit einem lauten Knall aus der Hand, der Bildschirm zersprang in ein Spinnennetz aus Rissen.
Sie holte tief Luft und bückte sich, um es aufzuheben. Mit dem Ärmel wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, ihr Blick wurde klar – scharf und entschlossen zugleich.
Sie öffnete den Chat erneut und tippte schnell: „Vernunftehe. Rein geschäftlich, keine Gefühle. Wenn das klappt, bin ich nächsten Monat wieder in Jadenity.“
Die Antwort kam prompt: „Klar.“
Sharon blinzelte überrascht. „Du fragst nicht, warum?“
Eine weitere kurze Antwort: „Wir reden nach der Hochzeit.“
Sharon war fassungslos.
Er ist so kühl. Und doch so... lässig?
Stimmen diese Gerüchte wirklich? Dass er auf Männer steht und diese Ehe nur zum Wohle der Familie geschlossen wurde?
Überraschung huschte über ihr Gesicht, aber sie verblasste schnell wieder.
Ist das nicht perfekt?
Nachdem sie Gary verlassen hatte, hatte sie ohnehin geplant, ihr Herz zu verschließen – eine Ehefrau in einer lieblosen Ehe zu sein, ganz auf ihre Arbeit konzentriert. Als sie das erst einmal begriffen hatte, spielte es keine Rolle mehr.
Solange ihr Opa glücklich war.
Sharon steckte ihr Handy weg und wollte gerade in ihr Auto steigen, als sie Gary und Chloe aus der Firma kommen sah – sie hielten Mias Hand.
Die drei so glücklich und zufrieden zu sehen, fühlte sich an, als würde ihr ein Messer ins Herz gestoßen.
Irgendetwas zog sie an – sie stieg aus dem Auto und folgte ihnen leise zu einem familienfreundlichen Restaurant.
Sie fand einen Platz mit dem Rücken zu ihnen, und sofort drang eine vertraute Stimme herüber.
„Es tut mir leid, Chloe. Ich hatte nicht erwartet, dass Sharon einfach so auftaucht. Du musst dich furchtbar gefühlt haben.“
Chloes Stimme klang übertrieben süßlich. „Schon gut, ich bin’s gewohnt. Aber Sharon wurde so lange von dir ignoriert – sie wird verärgert sein. Du gehst heute Abend nicht zu ihr nach Hause? Was, wenn sie wütend wird?“
„Lass sie ruhig sauer sein. Sie ist immer leicht zu besänftigen“, sagte Gary ohne zu zögern. „Heute Abend geht es um dich. Ich sollte bei dir und Mia sein. Es ist egal, dass sie die Geschenke genommen hat – ich schenke dir dieses Armband, das ich schon ewig trage.“
„Juhu! Papa ist der Beste!“, jubelte Mia. „Mama, schau mal! Du bist Papas Nummer eins!“
„Rede keinen Unsinn, Liebes! Vor allem nicht vor deiner Patentante“, ermahnte Chloe und tippte Mia leicht an. Doch ihre Hand wanderte zu Gary.
„Gary, aber dieses Armband … Sharon hat tagelang gebetet, damit dieses Armband für dich gesegnet wird – sie hat wirklich keine Mühen gescheut. Was, wenn sie es herausfindet? Wäre sie dann nicht untröstlich?“
Er will Chloe tatsächlich das Zeichen unserer Liebe geben?
Sharons Herz zog sich zusammen. Sie spähte durch den Spalt in der Sitzecke.
Sie sah zu, wie Gary das Armband von seinem Handgelenk auf Chloes Hand schob.
In diesem Augenblick fühlte es sich an, als hätte ihr jemand direkt ins Herz geschossen. Sharons Brust brannte – als würde sie bluten.
Garys Stimme war leise. „Ich kann nicht jede Sekunde bei dir sein. Dieses Armband wird dich beschützen. Falls Sharon fragt, sage ich einfach, ich hätte es verloren.“
Chloe wich leicht zurück und tat so, als ob sie zögerte. „Aber dieses Armband hat dich vor so viel Ärger bewahrt. Wenn du es mir gibst, was ist dann mit dir?“
Garys Stimme war sanft, aber sie traf Sharon wie ein Faustschlag.
„Sharon geht ständig in Kirchen. Sie könnte einfach noch eine beten – drei Tage und Nächte lang. Aber im Moment bist du der Einzige, der zählt.“
Chloes Stimme klang honigsüß. „Gary, du bist so gut zu mir. Ich liebe dich. Mia und ich würden alles für dich tun.“
Gary zog die beiden in seine Arme.
„Wir sind Familie. Du hast mir Mia geschenkt. Ich möchte dir alles geben. Aber versprich mir – lass Sharon nichts davon sehen.“
Ein Anflug von Enttäuschung huschte über Chloes Gesicht, doch gleich darauf lächelte sie freundlich.
"Ich verspreche es, Gary. Ich spiele mit. Sie wird es nie herausfinden."
Sharon saß wie erstarrt da, ihr Gesicht war kreidebleich.
Durch die Lamellen der Kabine beobachtete sie die „kleine Familie“, die eng beieinander saß, lachte und sich unterhielt. Ihre Freude war ansteckend.
Tränen brannten in ihren Augen, aber sie unterdrückte sie.
Sie konnte es nicht mehr ertragen. Sie sprang auf und rannte aus dem Restaurant.
Sie riss die Diamantbrosche von ihrem Mantel und warf sie mit einem Ruck in den Müll.
Die scharfe Kante der Brosche schnitt ihr in den Finger. Blut tropfte herab.
In diesem Moment vibrierte ihr Handy. Eine SMS von Gary: „Schatz, das Firmensystem ist abgestürzt. Muss die ganze Nacht durchmachen. Geh ohne mich ins Bett.“
Er wollte die Nacht bei der Frau und ihrem Kind verbringen und hat gelogen, dass er lange arbeiten müsse.
Sharons Wimpern zitterten. Sie tippte eine Antwort, ihre Finger zitterten: „Okay. Pass auf dich auf. Übertreib es nicht.“
Gary muss erleichtert aufgeatmet haben, dass sie ihn nicht befragte. Er antwortete sofort: „Alles klar, Schatz. Ich liebe dich – so sehr.“
Sharon hielt das Telefon in der Hand und warf dabei dumm einen Blick zurück aus dem Fenster.
Sie sah, wie Gary sein Handy in die Tasche steckte, sich dann zu Chloe beugte und sie küsste – direkt vor Mias Augen.
Dieser kühne Kuss fühlte sich an wie ein weiterer Schlag.
Eine Welle der Übelkeit überkam sie mit voller Wucht.
Sie beugte sich über den Mülleimer und übergab sich, alles drehte sich.
Als sie endlich wieder zu Atem kam, zerriss eine kalte Stimme die Luft über ihr.
"Fräulein, sind Sie fertig? Sie versperren meinem Chef schon seit einer Weile den Weg."

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